Um in den Medien Beiträge zu finden, die Aspekte nachhaltiger Zukunft thematisieren, braucht man nicht lange zu suchen. CO2-Ausstoss, überfischte Ozeane, Raubbau an den Wäldern – lauter Schlagworte aus Schlagzeilen, hochaktuell und brisant. Umsichtiges Wirtschaften steht nun auf dem Programm, auch von unseren Grossverteilern COOP und Migros. Sie werben in Zeitung und TV für Bioprodukte und engagieren sich für sozialverträgliche und umweltgerechte Produktionsweisen. Aber nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik macht man sich stark für unsere Umwelt. So forcieren zum Beispiel die Sozialdemokraten des Kantons St. Gallens die Energiediskussion, indem sie die Vision eines energie-autarken Kantons (ein Kanton, der so viel Energie produziert, wie er selber verbraucht) vorstellen. Ziel ist es, die Atomkraftabhängigkeit abzuschütteln und den „CO2-verschleudernde Individualverkehr in Richtung flächendeckenden öffentlichen Verkehr zu lenken“. Die Umsetzung dieses Modells, so geben die Sozialdemokraten an, sei lediglich „eine Frage des politischen Willens“.
Gerade der Klimawandel (unser Blogthema) ist spätestens seit der Veröffentlichung des UNO-Klimaberichts und den darin beschriebenen Schreckensszenarien (erwartete Klimaschäden bzw. Wirkungen des Klimawandels) Gegenstand der aktuellen Diskussionen in den Medien. Der Bericht, so die Umweltstiftung WWF, zeige einen verheerenden Ausblick für die Erde. 100 Millionen Menschen in Küstenstreifen, die nur einen Meter über dem Meeresspiegel lebten, liefen Gefahr, ihr Zuhause zu verlieren. Die globale Erwärmung würde in China und Indien durch Missernten zu Hunger führen. Man könne den Fakten nicht entkommen: Die globale Erwärmung werde Hunger, Überschwemmungen und Wassermangel mit sich bringen. Ein tragischer Aspekt dabei: Arme Länder, die am wenigsten Verantwortung dafür tragen, werden am meisten leiden. Die industrialisierten Länder müssten ihre Verantwortung akzeptieren und mit der Lösung des Problems beginnen. Noch gebe es Zeit, um sich gegen die schlimmsten Folgen des unvermeidlichen Klimawandels zu schützen.
Reaktionen gibt es, wie schon oben beschrieben, von verschiedensten Seiten. Einen interessanten Artikel hierzu fand ich in der Samstagsausgabe der Appenzeller Zeitung, in dem beschrieben wird, wie sich in der Klimapolitik eine Art Ablasshandel entwickelt hat. Ob christlicher oder ökologischer Ablasshandel – das Prinzip ist nämlich das Gleiche: Am einen Ort wird gesündigt und bezahlt, an einem anderen Ort der Erlös eingesetzt, um die Sünde zu tilgen. Es komme nicht darauf an, wo etwas getan oder unterlassen werde. Wichtig sei nur, dass wir etwas tun würden, lehren die alten und neuen Ablasshändler. Ob wir uns selber klimabewusst verhalten oder aber Klimaschutzprojekte finanzieren würden, sei nicht von Belang, falls es uns damit gelinge, unsere Nachkommen vor Klimakatastrophen zu verschonen. Der Zweck heiligt die Mittel. Die Grundlage für den Ablasshandel im Klimaschutz liefert das Protokoll von Kyoto, welches Industriestaaten (die das Protokoll genehmigt haben) verpflichtet, ihren Ausstoss an Treibhausgasen bis zum Jahr 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau des Jahres 1990 zu senken. Der Kyoto Vertrag regelt auch den Ablass. Demnach dürfen Industriestaaten einen Teil ihrer Verpflichtungen im Ausland erfüllen. Dazu können sie entweder Emissionsrechte von anderen Industriestaaten kaufen, welche ihren CO2-Ausstoss stärker vermindern, als sie müssten. Oder sie finanzieren Projekte zur Vermeidung von Klimagasen in Entwicklungsländern, welche selber keiner Reduktionspflicht unterliegen. Diese „flexiblen Mechanismen“ sind begehrt, da sie angeblich erlauben, den Klimawandel auf effizientere, also einfachere oder billigere Art zu begrenzen, als wenn jedes Land die Ziele, die im Kyoto-Protokoll formuliert sind, innerhalb der eigenen Grenzen erfüllen müsste.
Im Artikel wird schnell klar, dass dieser Ablasshandel das Klima nur bedingt schützt. Mich erstaunt aber, wie immer wieder Wege gefunden werden, sich möglichst bequem aus der Affäre zu ziehen - eine Haltung, die leider bei uns als Einzelpersonen anfängt.
Natalia Matsubayashi (04)
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3 Kommentare:
Ich gebe dir absolut Recht. Es scheint so, als ob wir (die kleinen Personen und die Wirtschaftsbosse) uns langsam aber sicher bewusst werden, dass wir sorgsam und nachhaltig mit dem "Blauen Planeten" und seinem "Anhang" umgehen müssen.
Aber wie du auch bemerkt hast (der zitierte Artikel), wird nichts ausgelassen, dass einzelne Abmachungen umschifft werden können. Wenn wir unsere Mentalität nicht ändern und denken, dass es nur immer andere träfe und wir uns von unseren Pflichten loskaufen könnten, bekommen wir eine saftige Rechnung , die sehr schwer verdaulich sein wird.
Deshalb finde ich unseren Beruf sehr wichtig, denn wir arbeiten mit Menschen und können versuchen sie zu sensibilisieren!
Oliver Riederer LGE04
Ich finde du hast den Wochenimpuls sehr gut beantwortet. Was mich sehr an deinem Post beeindruckte war, dass du die Vielfältigkeit zur Erreichung der Emissionreduktion erkannt hast. Ich stimme dir in diesem Punkt vollig zu. Den Industrieländer wird immer mehr Verantwortung für den Klimawandel zugeschoben, zurecht finde ich. Diese Nationen sind ja auch schliesslich für den gigantischen Ausstoss verantwortlich und treiben den Klimawandel deutlich an. Die Leittragenden sind die armen Nationen.
Mit dieser Verantwortung spielt auch das Gewissen mit. Die Verursacher müssen schliesslich versuchen den Schaden zu minimieren oder gar zu beheben. Diejenigen Staaten, welche die Richtlinien nicht erfüllen können, können einfach Anteile von anderen Staaten erwerben und sich so das Gewissen reinwaschen.
Dasselbe geschiet auch auf privater Basis. Man schiesst mit unnötigen Autofahrten CO2 in die Atmosphäre und macht sich durch WWF Spenden ein reines Gewissen.
Ich sage nicht, dass dies schlecht ist, jedoch müssen WIR uns vermehrt mit unsere eigenen Probleme / Gewohnheiten lösen.
Markus Meister LG04E
Es macht mich jedesmal fuchsteufelswild, wenn ich von solchen "Scheinlösungen" höre. Da setzt man Zeit, Geld und Energie ein, um sich auf politischer Ebene für eine nachhaltige Umweltentwicklung einzusetzen und konstruiert ein System, um die Schadstoffemissionen einzudämmen, und im Gegenzug dazu nutzen einige Egoisten die Lücken einer solchen sinnvollen Vereinbarung, um weiterhin frisch fröhlich unsere Umwelt zu zerstören. Das geht so doch nicht weiter! Die angestrebte Nachhaltigkeit wird rigoros zunichte gemacht.
Wie wollen wir zukünftige Lehrpersonen unseren Kindern von Nachhaltigkeit erzählen, wenn sie sehen, dass die Welt nicht am gleichen Strick zieht und früher oder später der grosse Kollaps kommt?
Paul Quan, LG 04/E
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