Montag, 21. Mai 2007
Einen ersten Schritt
Beim Lesen des Artikels von Herz, in dem ganz nüchtern und ehrlich über all die Grausamkeiten berichtet wird, die in unserer Welt geschahen und immer noch stattfinden, sind mir all die M&U-Themen, die ich schon behandelt habe, plötzlich ziemlich bedeutungslos vorgekommen. Warum habe ich mich nie an ein Thema gewagt, das wirklich zählt? Vordergründig dachte ich wohl jeweils, dass Themen, wie sie in der Agenda 21 vorgeschlagen werden, der Stufe nicht angepasst sind oder schlichtweg nicht ins Programm passen. Ob ich mich aber einfach nicht kompetent und qualifiziert genug gefühlt habe, eines dieser komplexen Themen methodisch so umzusetzen, dass bei den Kindern ein echtes Verständnis zwischen den sehr verschiedenen Welten wachsen würde? Dabei wären mir die „Lernziele für ein zukunftsfähiges Leben“ (Wissens-Durst, Verstehens-Hunger,...) ein grosses Anliegen als angehende Lehrperson, zumal ich mich in diesem Beruf in einer Funktion sehe, in der man in der aussergewöhnlichen Lage ist, das Leben der heutigen Kinder wirklich zu berühren. Wie wohltuend es darum war, vom fachübergreifenden Lernen und Arbeiten zu lesen: „Dass viele Themenfelder in sich zu komplex sind, um sie alleine adäquat im eigenen engen Sach- und Fachverstand bearbeiten zu können, das verweist darauf, dass in den Schulen Lehrer- und Lehrerinnenverbünde und Thementeams gefragt sind (...). Gemeinsam ist besser als einsam.(...)“ Natürlich bedarf es hier einem sehr aufgeschlossenen und innovativen Team, das die Lehrperson als Teamplayer sieht und einen offenen Stundenplan begrüsst. Hier haben wir „Frischlinge“ wohl einen grossen Vorteil, denn unsere Lehrerbiographie ist noch zu kurz, als dass sich veraltete Bilder der Schule (mit einem fixen Stundenplan) und der Lehrperson (als Einzelkämpfer) verfestigt hätten. Der von Herz beschriebene Gesamtunterricht, in dem verschiedene Fachlehrpersonen ein Thema jeweils aus ihrer Perspektive beleuchten, finde ich eine verlockende Vision. Eine momentan realistischere Möglichkeit ist die Behandlung eines Agenda 21 Themas im Rahmen einer Projektwoche, die an meinem zukünftigen Arbeitsplatz jährlich stattfinden wird. In einer Gruppe ein Angebot im Bereich „Nachhaltige Entwicklung“ zu erarbeiten und schliesslich anzubieten, dem fühle auch ich mich gewachsen. Einen entsprechenden Vorschlag werde ich zu gegebener Zeit bestimmt machen. Herz erwähnt in seinem Artikel eine Weltweisheit, die Mut macht, gerade wenn man noch an den Anfängen der BNE steht und zum Beispiel mit einer simplen Projektwoche einen ersten Beitrag dazu leistet: „Auch der Weg von 100.000Meilen beginnt mit einem ersten Schritt“.
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4 Kommentare:
Es stimmt was du sagst. Mir ist es auch scho oft so vorgekommen, als ob meine Themen, welche ich im Unterricht behandelt habe, einfach am Ziel vorbeigeschossen seien. Doch man kann den Spiess ja auch mal umdrehen: Jedes Thema hat seine Ziele,seine Wirkung. Herz schreibt in seinem Artikel, jedes Thema, welches im Fachunterricht behandelt wird, hätte in irgend einem Sinne mit nachhaltiger Entwicklung zu tun.
Wenn das so ist, hat garantiert jedes von uns behandelte Thema in einer Weise die Bildung für nachhaltige Entwicklung aufgegriffen. Und dies ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Bevor wir grosses bewegen können, müssen auch wir uns selber einmal der Nachhaltigkeit bewusst werden.
Wie du sagst, jede noch so lange Strecke beginnt mit einem ersten Schritt. Auch unser Unterricht beginnt mit kleinen Schritten - und verfehlt wahrscheinlich nicht seine Wirkung.
Stéphanie Aschmann, LG A
Auch ich schliesse mich deiner Meinung an. Auch ich habe an meiner Kompetenz für einen adäquaten Unterricht im Bereich der BNE immer gezweifelt. Auch ich wurde nach der Lektüre von Herz et al. eines besseren belehrt.
Was mir unter anderem aufgefallen ist, dass die BNE praktisch in allen Fächern ihren Berechtigungsplatz findet. Egal welches Thema wir beispielsweise in MU durchnehmen, wir können die Nachhaltigkeit mit ins Spiel bringen. Diesbezüglich braucht es eben, wie du es erwähnst, unsere progressive Haltung als Lehrpersonen. Nutzen wir die Chance als Junglehrkräfte und frönen in diesem Sinne endlich mal uneigennütz dem Motto nach: forever young!
Wow!!! Ich bin stark beeindruckt von deinem Text!! Ich habe den Text von Herz gelesen - viele Gedanken stiessen mir durch den Kopf und dann versuchte ich sie irgendwie zu fassen und schrieb meinen Text. Glücklicherweise bin ich beim Durchlesen mehrerer Texte der Studies auch auf deinen gestossen. Er drückt all das aus was ich auch gedacht habe: So zum Beispiel die Ohnmächtigkeit aber zugleiche Wichtigkeit ein Thema zu unterrichten, welche nachhaltige Entwicklung beinhaltet. Vielleicht bringt die Erfahrung uns rascher zum Ziel als wir denken und wir werden die Kinder in ein paar Jahren dorthin bringen wo wir es uns heute wünschen.
Lämmler Maria, LGE
Auch ich habe noch kein Thema aus der Agenda 21 mit den Schülern behandelt. Aber dieser Text von Herz hat mir Mut gemacht und mir gezeigt, dass man auch mit kleinen Schritten zum Ziel kommen kann. Es gibt unzählige viele gute Themen, die man fächerübergreifend bearbeiten kann. Wichtig ist vor allem, dass man sich das zutraut und selber überzeugt ist von dem, was man den Kindern beibringt.
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