Freitag, 11. Mai 2007

Nachhaltigkeit ist ansteckend

Wieder einmal eine kleine Szene aus meinem Alltag: Ich stosse mein Fahrrad den Schoren hinunter, weil ich eine Zigarette rauche. Rechts von mir steht eine lange Autokolonne mit laufendem Motor, da irgendwo im Rosentunnel ein Unfall passiert ist. Ich bleibe stehen und drücke den Zigarettenstümmel am Boden aus, würge das Plastikpapier von der Zigarettenschachtel, wickle den Stümmel darin ein und stecke mir das Ganze in die Jackentasche.

Während ich auf mein Fahrrad steige, fällt mein Blick in die Reihe der Autokolonne. Mein Verhalten wurde offensichtlich beobachtet. Drei Autofahrer nicken mir aufmunternd zu und halten ihre Daumen in die Höhe. Ich muss unweigerlich grinsen und zeige auf ihre Autos und gebe ihnen mit der Hand das Zeichen den Motor abzustellen. Die Fahrer lachen mich an und schalten ihre laufenden Motoren ab. Jetzt ist es an mir, den aufgerichteten Daumen in die Höhe zu halten. Und das Beste kommt noch: Diejenigen Autofahrerinnen und Autofahrer, die diese kurze Szene beobachtet haben, schalten alle ihre Motroen aus. Ich lache breit über das ganze Gesicht und radle mit einem unheimlich befriedigendem Gefühl nach Hause...

Seit ich im VS Welt erleben & entdecken in die Kanalisation hinuntergestiegen bin und im Blog die verschiedenen Inputs über die Nachhaltigkeit unserer Natur erhalten habe, gehe ich als Raucher bewusster mit meinem "Abfall" um. Ich werfe meine Kippen nicht mehr achtlos auf den Boden oder in den Gullyschacht. Die kleine Szene von vorhin hat mir aufgezeigt und bestätigt, dass ich damit auf dem richtigen Weg bin. So ist für mich die gemeinsame Freude über eine nachhaltige Aktion einer der vielen Gründe, um Sorge zu unserer Umwelt zu tragen. Wenn jede und jeder ein wenig dazu beiträgt, ist allen damit gedient.

Handkehrum bin ich mir im Klaren, dass sich mein Leben nicht immer nach meinem naturverbundenen Herzchen, sprich der Nachhaltigkeit, richten kann. Beispielsweise spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, nach der PH ein Auto zu kaufen, weil mein Arbeitsweg ansonsten über eine Stunde dauern würde. Als passionierter Langschläfer und Junglehrer in spe bin ich gezwungen, frühzeitig im Schulzimmer zu erscheinen. Ich spare mir mit einem Auto über eine halbe Stunde Arbeitsweg. Nur eben leider auf Kosten der Umwelt...

Die Verknüpfung zu unserem Blogthema "Klimaveränderung" wurde bereits von meinen Blog-"Gspänli" bereits mehrfach erwähnt: CO2-Ausstoss, Elektrizitätskonsum, Lebensstil etc.

Das Klima hat sich verändert und wird es weiterhin tun. Erst jetzt, da uns das Wasser bis zum Halse steht und wir die Auswirkungen des Klimas sehen und spüren, beginnt es in den Köpfen der Allgemeinheit zu rattern. Ich bin froh darüber und werde meine Kippen weiterhin nachhaltig entsorgen, um den "Virus" Nachhaltigkeit bewusst weiter zu verbreiten.

3 Kommentare:

Rebi B. hat gesagt…

Dein Beispiel mit den Kippen und den Motoren finde ich toll. Es zeigt mir irgendwie auch, wie einem die anderen Menschen wahrnehmen und sie eigentlich das richtige Verhalten kennen und schlussendlich auch ausführen. Auch ich hatte durch das VS Welt erleben & entdecken die Möglichkeit, in die Kanalisation hinunterzusteigen. Es ist wahnsinnig, was die Leute alles ins Klo, in den Abfluss oder in die Schächte werfen. Seit diesem Moment achte auch ich mehr darauf, wie und wo ich meine „Abfälle“ entsorge.

Du erwähnst, dass wenn jede und jeder ein wenig zur nachhaltigen Zukunft beiträgt allen gedient ist. Leider handeln aber immer noch zu wenig Leute dementsprechend… Auch ich bin eine von denen, die täglich mit dem Auto unterwegs ist, da sich die „Reisezeit“ so um fast 2 Stunden pro Tag verkürzt. Ich finde es schade, dass wir meistens der Zeit und dem Geld zuliebe „falsch“ handeln….

Chic hat gesagt…

Mit kleinen Schritten fängt man an und doch haben sie grosse Wirkung. Wir können die Welt nicht verändern, aber im Kleinen beginnen, so wie du es mit deinen Kippen tust. Weisst du, was ich ganz schön an deinem Erlebnis finde? Du musstest weder den moralischen Zeigfinger heben noch eine grosse Tat verbringen und doch hat dein Handeln (auf andere) gewirkt. Nachhaltigkeit aufzudrücken, indem man das Verhalten anderer verurteilt, wäre nämlich genau die falsche Strategie und würde nur Trotz und Abwehr zur Folge haben. Freundlichkeit und mit einem guten Beispiel vorangehen trägt da viel eher Früchte.

Natalia Matsubayashi (04E)

Chaib hat gesagt…

Ich weiss genau, wie du dich gefühlt haben musst, als dir Autolenker zu lachten. Es ist ein tiefgehendes Gefühl, zwar was Kleines gemacht, jedoch was Grosses bewirkt zu haben. Wie du, als auch die Fahrer werden diesen Augenblick nicht mehr so schnell vergessen und vielleicht sogar Mitmenschen davon erzählen. Wenn dies geschieht, ist bereits ein Prozess im Gange, denn man reflektiert sein eigenes Verhalten. Wie man so schön sagt, Einsicht ist der erste Schritt zur Vernunft.
Dieses Beispiel ist sehr positiv in Bezug auf Nachhaltigkeitsvermittlung. Ich kenne leider viele Negative. Oft wenn ich jemandem erklären möchte, wie er sich nachhaltiger verhalten könnte, fühlt sich diese Person angegriffen. Sie nimmt die Aussage sehr persönlich. Nicht wenig tritt dann sogar eine Trotzreaktion ein und sie verhalten sich gegenteilig. Diese Reaktion stimmt mich zum Teil sehr nachdenklich, denn ich meine es ja nur gut. In diesen Fällen hat die Einsicht eben noch nicht statt gefunden, da die Aussage bereits im vornherein abgelent wird. Jetzt stellt sich die Frage, wie wir Nachhaltigkeit nachhaltig übermitteln.